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Antonio
VivaldiGeboren: Venedig, 4.März 1678, gestorben: Wien, 28. Juli
1741
Er war der Sohn eines professionellen Geigers, der in der Markuskirche spielte
und möglicherweise auch im Management der Oper tätig war. Vivaldi
wurde 1703 zum Priester ausgebildet, las aber schon bald keine Messen mehr,
wie er sagte aus gesundheitlichen Gründen (man wusste von Atembeschwerden,
möglicherweise Asthma oder Angina). Ebenfalls 1703 wurde er maestro
di violino am Ospedale della Pietà, einem venezianischen Waisenhaus
für Mädchen; er blieb hier bis 1709 und nochmals von 1711 bis 1716.
Er wurde dann maestro de concerti. Auch später, als er nicht
mehr in Venedig war, hielt er die Verbindung mit Pietà aufrecht;
Einige Zeit sandte er jeden Monat zwei Konzerte. Er war von 1735 bis 1738 maestro
di capella. Sogar noch danach übermittelte er Konzerte und leitete
fallweise Aufführungen.
Vivaldis Ruf wuchs mit seinen ersten Veröffentlichungen: Triosonaten (wahrscheinlich
1703-1705), Violinsonaten (1709) und besonders seine 12 Konzerte Lestro
armonico op.3 (1711). Sie enthalten einige seiner besten Konzerte, wurden
in Amsterdam herausgegeben und über weite Teile Nordeuropas verbreitet.
Dies veranlasste andere Musiker, ihn in Venedig zu besuchen und manchmal Werke
bei ihm zu bestellen (besonders für den Hof in Dresden).J.S.Bach transkribierte
fünf Konzerte op.3 für Orgel und viele deutsche Komponisten ahmten
seinen Stil nach. Er veröffentlichte zwei weitere Gruppen von Sonaten und
sieben Gruppen von Konzerten, darunter La stravaganza op.4 (ungefähr
1712), Il cimento dellarmonia e dellinventione (ungefähr
1725, enthält Die vier Jahreszeiten) und La cetra (1727).
Vivaldis Bedeutung verdankt er hauptsächlich seinen Konzerten. Als erster
verwendete er die Form des Ritornells in schnellen Sätzen, ein Aufbau,
der sich später allgemein durchsetzte. Das selbe kann man über die
Abfolge der drei Sätze sagen (schnell-langsam-schnell). Seine Methode,
thematische Zusammenhänge zwischen Sätzen herzustellen, wurde oft
kopiert, besonders die Verknüpfung von Solo und Ritornell. Seine kraftvollen
rhythmischen Muster, die Violinfiguren und Sequenzen wurden ebenfalls oft imitiert.
Er schrieb ca. 550 Konzerte, davon ca. 350 für ein Soloinstrument (mehr
als 230 für Violine), ca. 40 Doppelkonzerte, über 30 für mehr
als zwei Solisten und fast 60 für Orchester ohne Solisten. Über 20
sind Kammerkonzerte für kleines Ensemble ohne Orchester, beim tutti
spielen alle Instrumente gemeinsam. Vivaldi experimentierte mit ungewöhnlichen
Orchestrierungen, z.B. Kombinationen mit viola damore und Laute, und verwendete
die damals neuesten Instrumente (Chalumeaux, Klarinette, Horn als Soloinstrument).
Es gibt auch viele Konzerte für Fagott, Violoncello, Oboe und Flöte.
Einige seiner Konzerte haben ein außermusikalisches Programm, z.B. La
tempesta di mare (So heißen drei Konzerte). In diese Kategorie fallen
auch Die vier Jahreszeiten, die in Ritornellform die verschiedenen
Stationen im Lauf eines Jahres beschreiben. Die dazugehörigen Gedichte
hat Vivaldi wahrscheinlich selbst geschrieben.
Vivaldi komponierte auch Vokalmusik. Er schrieb etliche geitliche Werke, besonders
für die Mädchen der Pietà, verwendete dabei einen temperamentvollen
Stil, bei dem der Einfluss seiner Konzerte oft hörbar wird. Auch Opern
stammen aus seiner Feder, und er verbrachte viel Zeit damit, sie allgemein bekannt
zu machen. Seine erste bekannte Oper wurde 1713 in Vincenza uraufgeführt.
Später arbeitete er an den Theatern in Venedig, Mantua (1718-1720), Rom
(wahrscheinlich 1723-1725), möglicherweise Wien und Prag (um 1730), Ferrara
(1737), Amsterdam (1738) und vielleicht auch während seines letzten Besuchs
nochmals in Wien. Er dürfte Berichten zufolge einen ziemlich schwierigen
Charakter gehabt haben. 1738 wurde ihm verboten, Ferrara nochmals zu betreten;
der Grund: Seine Weigerung, die Messe zu lesen und seine Beziehung zur Sängerin
Anna Giraud, eine Schülerin und Reisegefährtin von ihm. Über
20 Opern sind erhalten geblieben; diejenigen, welche auch heute noch gespielt
werden, enthalten sowohl Musik voller Vitalität und Einfallsreichtum als
auch weniger einfallsreiche Floskeln. Aber Vivaldis Bedeutung liegt vor allem
in seinen Konzerten, wegen ihrer Kühnheit und Originalität und wegen
ihrer zentralen Stellung in der Musikgeschichte