W. A. Mozart: Requiem
Entstehungsgeschichte 1
Mozart wurde durch einen anonymen Vermittler des Grafen Walsegg-Stuppa
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mit der Komposition beauftragt und hatte die Hälfte der Bezahlung im Voraus erhalten, so dass seine Witwe Constanze begierig darauf war, dass das unvollständige Werk abgeschlossen wurde, um die Vorauszahlung nicht zurückzahlen zu müssen. Joseph Eybler war der erste Komponist, der mit der Vervollständigung beauftragt wurde, gab die Aufgabe jedoch an Constanze zurück, weil er sich nicht in der Lage sah, sie zu erfüllen.
Die Arbeit wurde einem anderen jungen Komponisten und Schüler Mozarts anvertraut, Franz Xaver Süßmayr. Es ist möglich, dass andere Komponisten Süßmayr geholfen haben könnten oder dass er Skizzen von Mozart unter den Unterlagen für das Requiem entdeckte. Es wird angenommen, dass der ältere Komponist Maximilian Stadler die Orchestrierung des Domine Jesu für Süßmayr vervollständigt hat.
Das komplette Werk, angefangen von Mozart, aber weitgehend von Süßmayr komplettiert, wurde mit einer gefälschten Unterschrift Mozarts versehen und an den Grafen Walsegg versandt – und auf 1792 datiert. Die verschiedenen vollständigen und unvollständigen Manuskripte wurden irgendwann im 19. Jahrhundert aufgefunden, aber viele der dabei Beteiligten hinterließen nur zweideutige Aussagen zu den dazugehörenden Umständen.
In den 1960er Jahren wurde eine Skizze für eine Amen-Fuge aus Mozarts Handschrift entdeckt, die die Sequenz nach dem Lacrimosa hätte beenden sollen.
Ablauf
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Introitus |
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Requiem aeternam |
Herr, gib ihnen die ewige Ruhe. |
Vollständig von Mozart. |
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Kyrie |
Herr erbarme dich unser, Christus erbarme dich unser. |
Mozart schrieb in den folgenden Teilen bis einschließlich des Confutatis die Chorstimmen und den Basso continuo. Lediglich dort, wo Orchesterstimmen wichtig sind, sind diese skizziert, also bei Einleitungen, Zwischenspielen oder charakteristischen Begleitfiguren. Der Rest wurde von Süßmayr ergänzt. |
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Sequenz |
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Dies irae |
Tag des Zorns. Schilderung des Jüngsten Gerichts nach Schriften der Bibel. |
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Tuba mirum |
Die Posaune ruft alle zum Jüngsten Gericht. Ein Buch, in dem alle Sünden aufgelistet sind, wird dem Richter vorgelegt. |
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Rex tremendae |
Der König, vor dem alle erzittern, … |
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Recordare |
… wird um Barmherzigkeit und Erlösung gebeten. |
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Confutatis |
Nochmals Bitte um Aufnahme in den Himmel, nachdem die Verdammten ihre gerechte Strafe empfangen haben, |
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Lacrimosa |
Tränenreich ist der Tag, an dem aus Asche alles aufersteht. Schenke ihnen ewige Ruhe. Amen. [Skizzen zu diesem Amen sind erst in den 1960er Jahren aufgetaucht] |
Nach 8 Takten bricht hier die Komposition ab. Süßmayr komponierte das Stück fertig. |
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Offertorium |
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Domine Jesu |
Herr Jesus Christus, befreie die Seelen der Verstorbenen vor den Strafen der Hölle. |
Gesangsstimmen und Continuo sind wiederum von Mozart, die Ergänzung von Süßmayr. |
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Hostias |
Opfer und Bitten bringen wir dir. |
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Sanctus |
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Sanctus |
Heilig. |
Vollständig von Süßmayr komponiert. Das Agnus Dei lehnt sich allerdings – wie man erst seit dem Ende des 20. Jahrhunderts weiß – an eine frühe Messenkomposition Mozarts an, die Süßmayr verwendet haben dürfte. |
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Benedictus |
Gesegnet sei der kommt im Namen des Herrn. |
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Agnus Dei |
Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünden der Welt. |
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Communio |
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Lux aeterna |
Das ewige Licht leuchte ihnen. |
Süßmayr nimmt hier die Komposition des Introitus vom Beginn und unterlegt den Text des Lux aeterna. |
Die Komposition ist angelegt für Sopran-, Alt-, Tenor- und Bass-Solisten, Chor und ein kleines klassisches Orchester, bestehend aus zwei Bassetthörnern (Altklarinetten), zwei Fagotten, zwei Trompeten, drei Posaunen, Pauken, Streichorchester und Basso continuo.
Moderne Vervollständigungen
Etwa seit den 1970er Jahren haben verschiedene Musikwissenschaftler Vervollständigungen des Requiems versucht.
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Marius Flothuis (1941) |
Eher traditionell, versuchen lediglich, die Süßmayrschen Ergänzungen hie und da zu verbessern. |
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H. C. Robbins Landon (1991) |
Auch traditionell, versucht, die die Fassung Eyblers fortzusetzen, da er findet, sie kommt den Absichten Mozarts näher. |
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C. Richard F. Maunder (1986) |
Lässt die ganz von Süßmayr komponierten Teile Sanctus und Benedictus aus. Verwendet die in den 1960er Jahren entdeckte Amen-Fuge als Schluss für das Lacrimosa. [Anmerkung: Diese Fassung habe ich im Musikunterricht vorgespielt.] |
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Robert D. Levin (1993) |
Ist eine Synthese zwischen dem eher radikalen Ansatz Maunders und den traditionellen Ergänzungsversuchen. Die Süßmayr-Sätze werden beibehalten, aber von Grund auf neu auskomponiert. Verwendet ebenfalls die Amen-Fuge als Schluss für das Lacrimosa. |
Mythos und Wahrheit
Trotz des Beifalls und der Anerkennung ist das Requiem wohl eines der geheimnisvollsten Stücke, die Mozart komponierte – viele Legenden sind darum entstanden, die durch Peter Shaffers Stück Amadeus und den daraus entstandenen Film noch angefacht wurden.
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Mythos |
Wahrheit |
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Ein unbekannter Bote bestellt ein Requiem, das für Mozarts eigene Beerdigung zu sein scheint. |
Der Auftraggeber war Graf Walsegg-Stuppach, der sich bei der Übergabe des Auftrags wohl tatsächlich anonymer Boten bediente. Die wahre Identität des Auftraggebers wurde Constanze Mozart erst im Jahr 1800 bekannt. |
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Antonio Salieri half Mozart auf seinem Totenbett bei der Vervollständigung. |
Vervollständigung durch Süßmayr auf Constanzes Drängen. |
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Antonio Salieri hat Mozart vergiftet. |
Aus den Schilderungen der Ärzte geht hervor, dass Mozart an einer akuten fieberhaften Erkrankung mit entzündlich geschwollenen Gelenken der Gliedmassen, starken Glieder- und Kopfschmerzen, Schweißausbrüchen und Erbrechen litt. Dies deutete auf ein rheumatisches Entzündungsfieber hin. Mozart litt bereits im Kindesalter an fieberhaften rheumatischen Anfällen. Mehr als 15% aller solchen Kinder erleiden im Erwachsenenalter einen Herzschaden. Eine Vergiftung ist schon deshalb auszuschließen, da Mozarts behandelnder Arzt, Dr. Sallaba, Spezialist auf dem Gebiet der Arzneikunde war. Es ist absurd anzunehmen, dass ausgerechnet ihm eine Vergiftung des Patienten Mozart entgangen sein soll. |
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Es wurde auf Mozarts Beerdigung gespielt. |
Mozart wurde am 6. oder 7. Dezember 1791 in einem Schachtgrab beerdigt. Ein Gedenkgottesdienst in der Wiener Hofpfarrkirche St. Michael wurde für den 10. Dezember 1791 von Emanuel Schikaneder organisiert, auf dem angeblich das Requiem-Fragment gespielt wurde – tatsächlich weiß man nicht, welche Teile des Requiems zur Aufführung kamen. |
Einige im Unterricht besprochenen Beispiele
Grundsätzliches zur Musiksprache Mozarts
Schon durch die Wahl eines bestimmten Kompositionsstils werden Inhalte symbolisiert. Beispiel:
Polyphonie, Rhythmus aus der französischen Ouvertüre = alt = unmodern = Dunkelheit = negativ
Homophonie, einfachere Struktur = neu = modern = Licht = positiv
Ferner drücken Dissonanzen Schmerz aus, Leitton-Auflösungen stehen für Seufzer u.s.w.
Beginn
Seufzermotiv, imitatorisch durch mehrere Stimmen geführt. Viele Vorhaltsdissonanzen:
Beginn des Introitus (Holzbläser)
Übergang zum Licht
Der Übergang von den Anfangsworten zum Text „… et lux perpetua“ („… und das ewige Licht leuchte ihnen“) wird durch einen Wechsel von Polyphonie in Homophonie ausgedrückt:
Requiem T. 10—15
Kyrie
Doppelfuge auf die beiden Textzeilen „Kyrie eleison“ und „Christe eleison“:
Beginn des Kyrie
Das Zittern im Dies irae
Eine Darstellung von Bewegungsvorgängen in Noten:
Dies irae: der Bass zittert
Rex tremendae
Für den aufgeklärten Mozart war ein König, vor dem man erzittern musste, etwas Negatives. Hier verwendet er Stilelemente der (damals unmodernen) Barockmusik. Die punktierten Rhythmen in den Streichern dürfen nicht so gespielt werden, wie notiert; sie müssen viel schärfer artikuliert und sehr energisch interpretiert werden:
Ein Dirigent, der die Noten so spielen lässt, wie sie hier notiert sind, irrt.
Lacrimosa
Der tränenreiche Tag wird durch lauter Seufzer symbolisiert. Im Notenbeispiel ist vermerkt, welche Noten von Mozart sind (M) und wo Süßmayr fortgesetzt hat (S):
Die erste Violine seufzt zu Beginn des Lacrimosa
Zwei Vervollständigungsversuche
Die folgenden beiden Notenbeispiele zeigen jeweils die Takte 52 bis 56, wie sie von Eybler und Süßmayr vervollständigt wurden. Die grau unterlegten Stimmen (Chor, 1. Violine und Continuo) sind in beiden Versionen identisch, da sie aus Mozarts Hand stammen.
Eybler
Die Instrumentation Eyblers bringt zwei Klarinetten (zweite Notenzeile), die von Mozart für dieses Stück nicht vorgesehen waren. Sie werden so verwendet wie Trompeten: Punktierte Signaltöne, unterstützt von den Pauken. Dies entspricht der Art, wie man Klarinetten im Barock verwendet hat. Möglicherweise hat Eybler mit dieser Stimme ohnehin Trompeten gemeint, da die Abkürzung „Cl.“ auch „Clarino“=Barocktrompete heißen könnte. Dei Begleitung wirkt durch die Viertel in Bassetthörnern, Fagotten, 2. Violine (Doppel- und Tripelgriffe) und Bratsche wuchtig.
Süßmayr
Die Begleitfiguren der Streicher entsprechen hier mehr dem, was Mozart in den ersten 4 Takten selbst komponiert hat. Die Bläserstimmen sind komplett von Süßmayr ergänzt, er verwendet nicht wie Eybler majestätisch klingende punktierte Noten in Trompeten und Pauken, sondern unterlegt einen gleichmäßigen Rhythmus mit Achtel- und Viertelnoten.
1 Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Requiem_%28Mozart%29 (gekürzt und ergänzt)
2 1763—1827, wohnhaft im Schloss Stuppach bei Gloggnitz. Seine Frau war am 14. Februar 1791 gestorben, und Walsegg – nach heutigem Kenntnisstand sowohl ein enthusiastischer Musikliebhaber, aber auch ein schauderhafter Komponist – beauftragte anonym die Komposition des Requiems, um es als sein eigenes Werk auszugeben.