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Antonin Dvorák: Konzert für Violoncello und Orchester h-Moll Op. 104

Entstehungsgeschichte:
Die Komposition entstand zwischen November 1894 und Februar 1895 in Amerika und zählt zu den berühmtesten Cellokonzerten überhaupt. Angeregt hat das Stück wahrscheinlich ein mit Dvorák befreundeter Cellist, mit dem er drei Jahre vorher eine Konzertreise unternommen hatte.
Dvorak war 53 Jahre, als er das Cellokonzert schrieb. Er war zu dieser Zeit schon ein international anerkannter Komponist, 1883/84 war sein Stabat Mater in London und New York ein großer Erfolg gewesen. 1890 wurde Dvorák Lehrer am Konservatorium in Prag, 1891 bekam er dort den Posten des Direktors, ließ sich aber schon 1892 wieder beurlauben, um eine Einladung nach New York anzunehmen, wo er bis 1895 blieb.
Über das Stück:
Obwohl sich das Cellokonzert einen fixen Platz im Konzertrepertoire erobert hat und ein „Muss“ für jeden Cellisten ist, sind die Meinungen darüber geteilt. Im Vorwort zur Partitur liest man: „Die Konzertliteratur … ist durch das dreisätzige h-Moll Konzert Dvoráks um ein prächtiges, solistisch dankbares, klanglich und harmonisch farbiges, formal klar aufgebautes Werk bereichert worden.“ Reclams Konzertführer räumt zwar ein, dass der Solopart dem Cellisten Möglichkeiten gibt, sein Können zu zeigen, schwächt aber ab: „Der absolute Wert des Werkes steht hinter dem des Klavier- und Violinkonzertes etwas zurück.“
Unbestritten ist aber, dass Dvorák sowohl Einflüsse seiner slavischen Heimat wie auch Eindrücke amerikanischer Musik verarbeitet hat. Ein Beispiel für ersteres ist etwa das Fehlen des Leittons in Moll, wie es gleich im Hauptthema des 1. Satzes vorkommt:


In der Schlussgruppe finden sich Polka-Anspielungen:


Die so oft erwähnten amerikanischen Einflüsse sind allerdings kaum vorhanden. Dvorák hat zwar immer wieder davon gesprochen, trotzdem sind sie schwer zu finden. (Siehe auch Leonard Bernstein, Analyse der 9. Sinfonie in: „Von der unendlichen Vielfalt der Musik“)


Formaler Ablauf im Telegrammstil:

1. Satz: Sonatensatzform?

Hauptthema: Seitenthema: Schlussgruppe:
s.o. s.o.

Wiederholung der Exposition, diesmal vom Solocello gespielt. Das Schlussgruppenthema ist durch ein fanfarenartiges Hornmotiv ersetzt.
Orchesterzwischenspiel.
„Normalerweise“ würde man jetzt die Durchführung und danach die Reprise erwarten. Dvorák zieht beide Teile zu einem zusammen: Zuerst kommt ein durchführungsartiger Teil, in dem das Hauptthema variiert wird. Danach setzt er reprisenartig mit dem Seitenthema fort. (Gut zu erkennen am forte-Einsatz des ganzen Orchesters.)

2. Satz: Dreiteilige Liedform
Beschreibung in Reclams Konzertführer: „Der zweite Satz, Adagio, verläuft wieder sehr schlicht und sanglich. Er bringt im Mittelteil eine bedeutsame Reminiszenz aus Dvoráks Liedschaffen. [Ein 1888 von ihm komponiertes Lied, Anm. d. Verf.] Die Tiefe der besten langsamen Sätze Dvoráks sucht man vergebens.“
(Ich werde das dumpfe Gefühl nicht los, dass der Autor dieses Konzertführers das Stück nicht besonders mag. Da drängt sich doch die Frage auf, ob ein Konzertführer die Musik, in die er einführt, auch gleich bewerten soll.)

1. Thema: 2. Thema:


3. Satz: Rondoform

Thema:

Dvorák verwendet in seinen Spätwerken oft in den letzten Sätzen Themen der vorangegangenen Sätze. Hier ist vor allem das Hauptthema des 1. Satzes gegen Schluss gut hörbar.
Dieser Schluss ist überhaupt bemerkenswert: Ein letzter tiefer Griff in die kompositorische Trickkiste. (Genauere Informationen in der Musikstunde (Wenn für den letzten Satz noch Zeit ist.).)


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