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Klasse
Diese Frage zu beantworten, ist mindestens so schwer, wie die Herkunft
des Wortes Popmusik zu belegen. Denn dass das Wort von Popular
music kommt, wird zwar allgemein behauptet, lässt sich aber nicht eindeutig
zurÜckverfolgen. Was also kann man bewerten? Im Mutterkontinent von Kapitalismus und Kommerz verkaufen sich weibliche Singer-Songwriter blendend - Joan Baez, Joni Mitchell, Rickie Lee Jones, Carole King, Suzanne Vega, Tracey Chapman, Sheryl Crow, Trisha Yearwood, Tory Amos ... sind nur die bekanntesten Namen. Mit der Kanadierin Alanis Morissette ist nun vor rund zwei Jahren eine Liedermacherin hinzugekommen, die sich schon jetzt scheinbar nahtlos in die genannte Liste einfÜgt. Die bekannten KÜnstlerinnen von jenseits des Atlantiks sind auch hierzulande Stars. Einige von ihnen sind sogar in Europa bekannter als in ihrem Heimatland (z. B. Suzanne Vega). Bei den Geschichten, die sie in ihren Liedern erzÄhlen, handelt es sich meistens um eigene Erlebnisse, schmerzliche auch glÜckliche Erfahrungen, und die daraus gewonnen Erkenntnisse. Rickie Lee besingt in On Saturday Afternoons in 1963, wie sie als Kind Übers Erwachsenwerden nachdenkt. Sheryl Crow besingt selbst intimste Probleme und riskiert dafÜr, von amerikanischen Radiostationen nicht gesendet zu werden. In Strong Enough fragt sie: Bist du stark genug, mich auch wÄhrend meiner Regel zu lieben?. Suzanne Vega und Tracey Chapman engagieren sich in ihren Liedern auch sozial und politisch:Die Armen werden aufstehen und sich ihren Teil holen, sie sprechen Über Revolution (Tracey Chapman:Talkin' Bout A Revolution)..Mein Name ist Luka, ich wohne im zweiten Stock Über dir, und wenn du spÄt in der Nacht Ärger und Geschrei hÖrst, dann sprich mich bitte nicht darauf an, denn das geht dich nichts an (Suzanne Vega: Luka). THANK U Alanis Morissette steht ganz in der Tradition international erfolgreicher weiblicher
Singer-Songwriter. Das betrifft ihre textlichen QualitÄten genauso wie ihre
große Musikalität. HINWEISE ZUM ARRANGEMENT
Ein Beispiel: THANK U von Alanis Morissette. Der folgende
(gekürzte) Artikel ist der Zeitschrift Musik & Bildung vom
Dezember 1998 entnommen:
DIE TRADITION DER SINGER-SONGWRITER IN AMERIKA
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Óöö:¤
Der Text von Thank U erschließt sich keineswegs beim ersten
Höreindruck und ist auch in der Übersetzung nicht viel zugänglicher
als im Original. Alanis Morissette breitet assoziative Gedankenfetzen und Metaphern
aus, die auf eine vorangegangene Phase der Selbstfindung schließen lassen.
Die Erwähnung des Landes Indien (Thank you India) und des Begriffs
Kudo (buddhistische Meditationsform durch Bogenschießen) Iässt auf
Erfahrungen mit Östlichen Heilslehren und Religionen schließen. In
drei Versen stellt sie typisch westeuropÄische und mÖglicherweise zuvor
von ihr selbst praktizierte Missverhaltensweisen zur Disposition. Im ersten
Vers ist es der Umgang mit den Dingen (Antibiotika gegen Krankheit, VÖIlerei),
im zweiten Vers der Umgang mit den Menschen (vorschnelle Schuldzuweisung, mangelnde
Bereitschaft zum Vergeben) und im dritten schließlich der Augenblick der
Erkenntnis (Der Moment, in dem ich absprang, war der Moment in dem ich
landete). Im Refrain fÜhrt sie schlagwortartig Orte, Geschehnisse
und Erfahrungen auf, die zu ihrem Sinneswandel beigetragen haben (Thank
you ...).
Die gesamte Begleitung von Thank U basiert auf einem viertaktigen
Pattern. Die Formteile Intro, Vers und Refrain unterscheiden sich allein durch
die Instrumentenbesetzung. Wie bei songorientierten Arrangements Üblich,
wird der Refrain voller und der Vers sparsamer instrumentiert. Zur Einleitung
wird einmal die Piano-Figur vier Takte lang allein vorweg gespielt, danach beginnt
der Gesang mit dem ersten Vers. Prinzipiell gehÖrt die Piano-Figur zum Refrain
und die verzerrte E-Gitarre mit ihren Fill-lns ausschließlich zum Vers.
Nur zu Beginn des StÜcks und am Schluss wird davon abgewichen. Hier wird
der Gesang jeweils eine halbe Strophe lang allein von den beiden Pianos begleitet,
die aufdiese Weise dem StÜck seine etwas Ätherische Note geben.