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5. Popmusik
5.1. Nach welchen Gesichtspunkten wird Popmusik bewertet?

Diese Frage zu beantworten, ist mindestens so schwer, wie die Herkunft des Wortes „Popmusik“ zu belegen. Denn dass das Wort von „Popular music“ kommt, wird zwar allgemein behauptet, lässt sich aber nicht eindeutig zurÜckverfolgen. Was also kann man „bewerten“?

Ein Beispiel: THANK U von Alanis Morissette. Der folgende (gekürzte) Artikel ist der Zeitschrift „Musik & Bildung“ vom Dezember 1998 entnommen:
DIE TRADITION DER SINGER-SONGWRITER IN AMERIKA

Im Mutterkontinent von Kapitalismus und Kommerz verkaufen sich weibliche Singer-Songwriter blendend - Joan Baez, Joni Mitchell, Rickie Lee Jones, Carole King, Suzanne Vega, Tracey Chapman, Sheryl Crow, Trisha Yearwood, Tory Amos ... sind nur die bekanntesten Namen. Mit der Kanadierin Alanis Morissette ist nun vor rund zwei Jahren eine Liedermacherin hinzugekommen, die sich schon jetzt scheinbar nahtlos in die genannte Liste einfÜgt. Die bekannten KÜnstlerinnen von jenseits des Atlantiks sind auch hierzulande Stars. Einige von ihnen sind sogar in Europa bekannter als in ihrem Heimatland (z. B. Suzanne Vega). Bei den Geschichten, die sie in ihren Liedern erzÄhlen, handelt es sich meistens um eigene Erlebnisse, schmerzliche auch glÜckliche Erfahrungen, und die daraus gewonnen Erkenntnisse. Rickie Lee besingt in „On Saturday Afternoons in 1963“, wie sie als Kind Übers Erwachsenwerden nachdenkt. Sheryl Crow besingt selbst intimste Probleme und riskiert dafÜr, von amerikanischen Radiostationen nicht gesendet zu werden. In „Strong Enough“ fragt sie: „Bist du stark genug, mich auch wÄhrend meiner Regel zu lieben?“. Suzanne Vega und Tracey Chapman engagieren sich in ihren Liedern auch sozial und politisch:„Die Armen werden aufstehen und sich ihren Teil holen, sie sprechen Über Revolution“ (Tracey Chapman:„Talkin' Bout A Revolution“)..„Mein Name ist Luka, ich wohne im zweiten Stock Über dir, und wenn du spÄt in der Nacht Ärger und Geschrei hÖrst, dann sprich mich bitte nicht darauf an, denn das geht dich nichts an“ (Suzanne Vega: „Luka“).
¤Ê Óöö:¤

THANK U

Alanis Morissette steht ganz in der Tradition international erfolgreicher weiblicher Singer-Songwriter. Das betrifft ihre textlichen QualitÄten genauso wie ihre große Musikalität.
Der Text von „Thank U“ erschließt sich keineswegs beim ersten Höreindruck und ist auch in der Übersetzung nicht viel zugänglicher als im Original. Alanis Morissette breitet assoziative Gedankenfetzen und Metaphern aus, die auf eine vorangegangene Phase der Selbstfindung schließen lassen. Die Erwähnung des Landes Indien („Thank you India“) und des Begriffs Kudo (buddhistische Meditationsform durch Bogenschießen) Iässt auf Erfahrungen mit Östlichen Heilslehren und Religionen schließen. In drei Versen stellt sie typisch westeuropÄische und mÖglicherweise zuvor von ihr selbst praktizierte Missverhaltensweisen zur Disposition. Im ersten Vers ist es der Umgang mit den Dingen (Antibiotika gegen Krankheit, VÖIlerei), im zweiten Vers der Umgang mit den Menschen (vorschnelle Schuldzuweisung, mangelnde Bereitschaft zum Vergeben) und im dritten schließlich der Augenblick der Erkenntnis („Der Moment, in dem ich absprang, war der Moment in dem ich landete“). Im Refrain fÜhrt sie schlagwortartig Orte, Geschehnisse und Erfahrungen auf, die zu ihrem Sinneswandel beigetragen haben („Thank you ...“).

HINWEISE ZUM ARRANGEMENT
Die gesamte Begleitung von „Thank U“ basiert auf einem viertaktigen Pattern. Die Formteile Intro, Vers und Refrain unterscheiden sich allein durch die Instrumentenbesetzung. Wie bei songorientierten Arrangements Üblich, wird der Refrain voller und der Vers sparsamer instrumentiert. Zur Einleitung wird einmal die Piano-Figur vier Takte lang allein vorweg gespielt, danach beginnt der Gesang mit dem ersten Vers. Prinzipiell gehÖrt die Piano-Figur zum Refrain und die verzerrte E-Gitarre mit ihren Fill-lns ausschließlich zum Vers. Nur zu Beginn des StÜcks und am Schluss wird davon abgewichen. Hier wird der Gesang jeweils eine halbe Strophe lang allein von den beiden Pianos begleitet, die aufdiese Weise dem StÜck seine etwas Ätherische Note geben.


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