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Vergleich zweier Vertonungen des selben Textes
Hermann Allmers (1821-1902): Feldeinsamkeit
Ich ruhe still im hohen, grünen Gras
und sende lange meinen Blick nach oben,
von Grillen rings umschwirrt ohn Unterlaß,
von Himmelsbläue wundersam umwoben.
Die schönen weißen Wolken ziehn dahin
durchs tiefe Blau, wie schöne stille Träume;
mir ist, als ob ich längst gestorben bin
und ziehe selig mit durch ewge Räume.
Charakter, Formaler Aufbau:
Noten und Hinweise zu den Vertonungen: Musikstudio 1, S.63ff.
1. Vertonung: Johannes Brahms, 1877:
2. Vertonung: Charles Ives, 1897:
Grundsätzliches zum Begriff Lied:
Da das Lied immer eine Verbindung von Text und Musik ist, enthält es sowohl Elemente, die sich auf die Textaussage beziehen, wie auch starke emotionale Komponenten. Bei manchen Liedern ist eher die Textaussage vorherrschend (Protestsongs, Liedermacher,
), bei anderen wiederum überwiegt das gefühlsbetonte Element (Stimmungslieder, Love-Songs, Schlager,
).
Lieder werden gesungen, seit es Musik gibt. Sie werden oft instrumental begleitet (Laute, Gitarre, Klavier), oft sehr einfach, nur mit Bordun (liegende Töne Mittelalter) oder Akkorden.
In der Epoche der Romantik (Ende 18. + 19. Jahrhundert) versuchte man im Kunstlied Gesang und Begleitung zu einem Kunstwerk zu verschmelzen und damit die Begleitung gleich wichtig zu machen wie die Stimme. Besonders Franz Schubert (1797-1828) hat hier Pionierarbeit geleistet (über 600 Lieder). Er und einige andere deutschsprachige KomponistInnen haben das Kunstlied zu solcher Perfektion gebracht, dass der Begriff Lied als Fachwort für das deutschsprachige Kunstlied in den meisten Sprachen unübersetzt übernommen wurde (franz.: le lied, engl.: the lied). Auch bei uns hat sich ja z.B. der Begriff Chanson für das französiche Lied eingebürgert.
Da hamma letzte Musikstunde so ein Lied ghört
(Schüler, meinte damit Die Moldau von Friedrich Smetana)
Rückseite: Die drei Arten, einen Text zu vertonen (Kunstlied), Teile eines Liedes.